Kluge Köpfe und Eigeninitiative: Zukünftige Betriebswirte nach der Handwerksordnung startenmit höchster Fortbildung im Bildungszentrum der Handwerkskammer Potsdam

Handwerker/innen und kaufmännische Mitarbeiter/innen bereiten sich im Bildungszentrum der Handwerkskammer Potsdam, dem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz, in insgesamt 23 Monaten auf die höchste Fortbildungsprüfung im Handwerk – dem Betriebswirt nach der Handwerksordnung – vor. Die Klasse ist gewerkeübergreifend, unter ihnen sind u.a. Meister des Kfz-Handwerks, Malermeister, Metallbauermeister, Landmaschinenmechaniker- oder Konditormeister.

In rund 670 Stunden erwerben die Frauen und Männer wertvolle Kenntnisse zur Optimierung der Arbeitsabläufe in ihren Betrieben, beschäftigen sich mit unternehmensstrategischen Fragen und modernen Techniken der Unternehmensführung. Die Aufstiegsfortbildung richtet sich insbesondere an Meisterinnen und Meister bzw. Führungskräfte und leitende Mitarbeiter in Handwerksunternehmen. Unternehmensstrategie, Unternehmensführung, Personalmanagement und Innovationsmanagement stehen auf dem Stundenplan. Neben 14-tägigen Präsenzphasen an  an den Wochenenden lernen die Teilnehmer im Selbststudium und digital. Diesen seit 2015 bundeseinheitlichen Fortbildungsabschluss erreichten bei der Handwerkskammer Potsdam bis Ende 2020 bereits 23 Männer und Frauen.

Elektrotechnikermeister Max Spiegler, Geschäftsführer von Kundendienst Adler Hausgeräte Service und Verkauf Kleinmachnow, ist einer der Teilnehmer. Der 32-jährige, der schon sehr früh unternehmerische Verantwortung übernahm und in die Fußstapfen seiner Großeltern trat, machte zunächst 2012 seinen Meister im Bildungszentrum. Mit dem Betriebswirt will er sich nun das Rüstzeug beschaffen, sein Geschäft für die Zukunft strukturierter aufzustellen: „Wir erleben, dass Wachstum möglich ist. Das wollen wir strategisch und zielgerichtet ausbauen. Dazu haben wir auch einen weiteren Techniker für Haushaltsgeräte eingestellt. Mit dem Betriebswirt in der Tasche schaffe ich für mich eine sichere Basis für das Führen meines Geschäfts. Auch wenn die Fortbildung sehr anspruchsvoll ist, macht sie doch Spaß. Die Handwerkskammer hat uns sehr gute Dozenten zur Seite gestellt,“ zeigt der junge Meister seine Motivation.

Auch für Thomas Hilpert aus Treuenbrietzen, der sich erst vor einem Jahr selbstständig machte, ist der Abschluss zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung ein wichtiges Werkzeug, um sein Unternehmen weiter aufbauen zu können. Der Kfz-Technikermeister, der Kfz und Motorräder repariert und verkauft, will nach Corona richtig durchstarten. „Mein Ziel heißt Expansion und damit auch, betriebswirtschaftlich alles richtig zu machen. Auch wenn mir Corona tatsächlich meinen Start und das Geschäft verhagelt hat, gebe ich nicht auf. Ich möchte mindestens drei Mitarbeiter einstellen, neue Filialen eröffnen. Dafür erwerbe ich nun das entsprechende Know-how. Mit dem Betriebswirt satteln wir auf das Meisterwissen auf. Gerade Buchhaltung und Marketing sind für mich von besonderer Bedeutung. Wir sind eine bunt gemischte Truppe, was viele Vorteile bringt. Denn jeder bringt Praxisbeispiele mit, die wir mit unseren wirklich guten Dozenten diskutieren können. Dieser Austausch ist lehrreich und informativ, bringt einen persönlich weiter.“

Spiegler und Hilpert sind nur zwei Beispiele, die verdeutlichen, welche Fortbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen auf der Basis einer dualen Ausbildung möglich sind und deren Beweggründe zeigen. Finanziell werden die Weiterbildungswilligen über das Aufstiegs-Bafög unterstützt. Mit diesem erhalten sie einkommensunabhängig entweder einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung, bei Vollzeit sogar zum Lebensunterhalt. Die Fortbildung „Geprüfte/r Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung“ steht im Deutschen Qualifikationsrahmen auf der gleichen Stufe des akademischen Mastergrades. „Das ist leider noch viel zu wenig bekannt. Die Gleichwertigkeit macht deutlich, dass es kein Studium braucht, um das notwendige Fachwissen einer Führungskraft zu erwerben“, schätzt Robert Wüst als Handwerkskammerpräsident ein. „Aber erst wenn in den Köpfen der Gesellschaft angekommen ist, dass es keines Studiums bedarf, um Karriere zu machen, haben wir zwei gleichberechtigte Berufsbildungswege in Deutschland.“

Für den Kammerpräsidenten sind auch deshalb die 22 Teilnehmer im aktuellen Fortbildungslehrgang der Handwerkskammer Potsdam allesamt Hoffnungsträger für das Handwerk: „Das eigene Unternehmen weiterentwickeln, ein eigenes gründen oder eine Unternehmensnachfolge antreten, Führungsverantwortung auch als Angestellter tragen – mit diesen Abschlüssen erfahren nicht nur die Handwerker selbst, sondern auch unser Berufszweig selbst einen Qualitätsschub. Wir brauchen im Handwerk perfekt ausgebildete Menschen, die die Herausforderungen, vor denen wir stehen, in den kommenden Jahren bewältigen. Dazu gehört zum einen der Fachkräftenachschub an sich, aber auch solche Themenfelder wie die Energie- oder Mobilitätswende, Digitalisierungsschübe in vielen Handwerksbranchen oder das veränderte Kundenverhalten mit dem Anspruch an umfangreichere Dienstleistungen.“

Malte Hübel, Weiterbildungsberater bei der Handwerkskammer Potsdam, weiß um die Beweggründe der Teilnehmer, sich für diese Aufstiegsfortbildung zu entscheiden: „Die Anforderungen an Führungskräfte oder Inhaber auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Handwerk werden immer komplexer und anspruchsvoller. Mit dem entsprechenden Managementwissen schaffen sie sich Sicherheit als Führungskraft.“ Hübel steht seit 2002 für ausführliche kostenfreie Beratungen zur Verfügung. Er verfügt dabei auch über einen umfangreichen Erfahrungsschatz zu Abläufen oder finanzieller Förderung der Fortbildung. Der Weiterbildungsberater steht den Interessenten auch zur Seite, wenn es um die Antragsstellung für finanzielle Förderungen geht.

Bildquelle: Max Spiegler : HWK Potsdam/ Weitermann  – Thomas Hilpert : privat

PM – HWK Potsdam

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