ZU FUSS DURCH DIE FLUGHAFENGEMEINDE – Teil 1: Unterwegs in Waßmannsdorf

Liebe Leserinnen und Leser,

ich melde mich in einer Zeit zu Wort, in der ursprünglich die ILA 2020 stattfinden sollte. Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern in der ganzen Welt wurden und werden Großveranstaltungen, Fußballspiele, Gottesdienste, Prüfungen, Urlaubsreisen und internationale Kongresse, Foren, Treffen und Begegnungen reihenweise abgesagt. Ein Virus mit Namen Sars-CoV-2 hat die Menschheit befallen und Produktionsstätten, Hotels, Restaurants und Warenströme sowie den internationalen Luftverkehr völlig lahmgelegt. Die Folgen sind gegenwärtig noch nicht absehbar. Bei uns in Schönefeld ging der gesamte Flugverkehr um 99% zurück. Das sind 99% weniger Lärm. Und ein Himmel in unserer Gemeinde fast ohne Flugzeuge ist etwas, was es so bis dato in den letzten 85 Jahren noch nicht gab. Und ausgerechnet in dieser Zeit gelingt es der FBB, unter Leitung von Engelbert Lütke-Dahldrup, von der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald die letzten noch fehlenden Genehmigungen für den BER zu bekommen. Damit steht einer Eröffnung des neuen Großflughafens am 31.10.2020 nun nichts mehr im Wege. Eines meiner Lebensziele war, als amtierender Bürgermeister dabei zu sein, wenn der BER eröffnet. Das wird nicht mehr gelingen, schade, aber nicht so schlimm, da ja offiziell keine Eröffnung stattfinden wird. Flughafenchef Engelbert Lütke-Dahldrup, mit dem ich durch die gemeinsame Arbeit für den Flughafen freundschaftlich verbunden bin und mit dem in den Jahren der Zusammenarbeit ein großes Vertrauensverhältnis entstanden ist, hat mir bereits signalisiert, dass wir auf jeden Fall auf dieses Ereignis und diesen Erfolg nach so langer Zeit gemeinsam anstoßen werden. Als Bürgermeister außer Dienst finde ich jetzt die Zeit, in aller Ruhe mit meiner Frau Eva unsere 6 Ortsteile und die vielen Wege, die zwischen den Ortsteilen liegen, auf Wanderungen zu erkunden. Natürlich besuchte ich während meiner Amtszeit alle Ecken dieser Gemeinde. Aber niemals war ich zu Fuß unterwegs und vor allem nicht mit einer solchen Gelassenheit und Ruhe. Anfänglich ging es nur mit dem Auto in die Ortsteile, etwas später dann aber auch mit dem Fahrrad. Heute im Ruhestand geht es meistens per Pedes überall hin. Zum Glück haben wir in meiner 29jährigen Amtszeit fast 90 Kilometer Rad- und Fußwege errichten können. Dazu kommen mehrere große Parks und Freizeitanlagen, Reitwege, sanierte Deponien und Altablagerungen in allen Ortsteilen. Ich denke da in erster Linie an den großen Müllberg in Großziethen, den der Landkreis mit der Fa. Hafemeister in den letzten 25 Jahren vorbildlich sanierte, den Hünenberg in Selchow, den Rodelberg in Waßmannsdorf, die Kienberger Rinne in Waltersdorf oder Ausgleichsmaßnahmen des Flughafens in Schönefeld „In den Gehren“, im „Vogelwäldchen“ in Großziethen und die große Parkanlage östlich der Schönefelder Bauernseen.

Ich habe irgendwann im Ruhestand beschlossen, unsere Gemeinde zu Fuß „zu erobern“ und hier auf Wanderschaft und Entdeckungstour zu gehen. Stillsitzen fällt mir schwer. Und dann begann plötzlich die Zeit der Kontaktsperren, die Zeit der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, mit einem Wort, die Corona-Zeit. Das war und ist ein Novum in unserer Geschichte und wir müssen lernen, damit gut und richtig umzugehen.

In vielen Jahren an der Verwaltungsspitze stehend, gelang es mit den Mitarbeitern der Verwaltung und den jeweiligen Gemeindevertretern, aus der 1992 gegründeten Amtsgemeinde mit ländlich geprägten Dörfern, die kaum Infrastruktur besaßen und etwas mehr als 5000 Einwohnern zählten, moderne und ansehnliche Orte zu schaffen. Zwischen den einzelnen Ortsteilen gab es keine Fußgänger- oder Radwege, es fehlten Bürgersteige, es gab keine Kanalisation, trotz eines der wohl modernsten Klärwerke in Waßmannsdorf. Selbst die Wasserversorgung war nicht überall den Erfordernissen entsprechend gesichert. Es gab sehr viel zu tun, zu planen und zu bauen. In den letzten 30 Jahren hat sich zudem die Bevölkerung verdreifacht und das positive Wachstum hält weiter an. Es gelang uns in dieser Zeit 2 Gymnasien, zwei Grundschulen, 5 Sporthallen, zahlreiche Feuer- und Rettungswachen, eine Schwimmhalle, 7 neue Kitas, ein Rathaus, über 30 Spielplätze und 2 Brücken, einen S-Bahnhof, fast 90 Kilometer Radwege und über 100 km Straßen sowie ein Medizinisches Versorgungszentrum und vieles mehr auf den Weg zu bringen. Die Gemeinde Schönefeld tat in diesen Jahren wirklich alles, um das Lebensniveau ihrer Bürger auf vielfältige Weise zu verbessern und anzuheben. Anzuheben auf ein Niveau, welches zum Teil besser war und ist, als in vergleichsweise ähnlichen Einrichtungen, die man z.B. in Berlin findet. Ganz zu schweigen von den über 2500 Firmen, Betrieben, Hotels, Verkaufseinrichtungen und Dienstleistern, die hier angesiedelt werden konnten. Wir haben für unsere Investoren stets einen roten Teppich ausgerollt, weil sie diejenigen sind, die die Grundlage für die Finanz- und Wirtschaftskraft Schönefelds sichern.

Leider gab es nach 1992 auch einige Jahre, in denen nur wenig geschah. Das hing mit den politischen Entscheidungen zum Flughafenausbau zusammen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Verschiebungen, Verzögerungen und Kostensteigerungen am BER. Anfang der 90er Jahre träumten wir den Traum einer schnellen Entwicklung und eines zügigen Flughafenneubaus. Leider wurden diese Träume, so wie gedacht, nicht wahr, aber die Gemeinde Schönefeld kann dessen ungeachtet auf eine überaus positive Wirtschafts-, Finanz-, Bildungs- und Sozialpolitik zurückblicken.

Als Bürgermeister einer Flughafengemeinde mit mehreren Großbaustellen organisierte ich regelmäßig für die Schönefelder, aber auch für die Mitarbeiter der Verwaltung und Gäste Busrundfahrten durch die Gemeinde, um die vielen Baustellen und kommunalen Vorhaben zu zeigen und über diese zu informieren. Das Interesse der Bürger war und ist dafür nach wie vor sehr groß. Vielleicht lasse ich das wieder aufleben und lade dazu ein. Oder, und da bin ich noch nicht sicher, gehe ich auf diesen Wanderwegen künftig auch mit interessierten Schönefeldern und Gästen spazieren, um dabei über die Geschichte der Flughafengemeinde zu berichten. Mal sehen, was die Zukunft bringt? Da einige Bürger nicht so gut zu Fuß sind, habe ich mit meinem langjährigen Verbündeten und Freund Klaus Messinger bereits über Kremser- oder Traktorfahrten durch die Gemeinde diskutiert und zumindest mit ihm über eine solche Möglichkeit nachgedacht. Natürlich geht das alles erst dann, wenn die Corona-Pandemie Geschichte ist und das Leben wieder in völlig normalen Bahnen verläuft. Wenn wir jetzt in der Zeitung über interessante Wege und Stege berichten, die es lohnt zu besuchen, können die Bürger das jederzeit auch selbst nachvollziehen und auf einen solchen Spaziergang gehen. Orientieren kann man sich in Schönefeld allen Ortes an den 50 roten granitenen Meilensteinen, die an fast jeder Rad-oder Wegekreuzung stehen und zu finden sind. Heute beginnen wir mit unseren Informationen über Wanderrouten im Ortsteil Waßmannsdorf. Hier laden die zahlreichen Wege zwischen den Rieselfeldern zu Spaziergängen ein. Aber auch am Radweg nach Rudow kann man „In den Gehren“ die große Koppel für die Wildpferde (Liebenthaler Wildlinge) und Rinder besuchen. Im Ort Waßmannsdorf selbst ist das Heimatmuseum von Karl Mette noch geschlossen, aber nach Corona lohnt hier ein Besuch in jedem Fall. An der Gemarkungsgrenze zu Berlin liegt die Parkanlage „Am Dörferblick“ und auf Berliner Seite kann man den sanierten Trümmer-Berg „Dörfer-Blick“ besteigen, um von dort einen großartigen Block auf Neu-Schönefeld zu haben. Geht man von der Parkanlage am Fuße des Berges immer in nördlicher Richtung an der Stadtgrenze entlang, kommt man direkt zur Parkanlage „Am Vogelwäldchen“. Dort weiden europäische Urwild-Rinder. Sehenswert ist auch die Klärwerkssiedlung, die vor Jahren für die herausragende Sanierung mit einer Auszeichnung bedacht wurde

Dr. Udo Haase

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